Archivgut Nachlass

Gertrud E. NL 257

1858, 1892 bis 1970er-Jahre, 2000er-Jahre

Weitere Informationen

Einrichtung: Sammlung Frauennachlässe | Wien
Jahr: 1858, 1892 bis 1970er-Jahre, 2000er-Jahre
Sprache: Deutsch
Beschreibung:

Orte: Klagenfurt und Villach in Kärnten; Haslau an der Donau, Hohe Wand, Mönichkirchen, Rax, Schneeberg, Semmering und andere Orte in Niederösterreich; Kirchdorf an der Krems, Kleinreifling, Salzkammergut und Spital am Pyhrn in Oberösterreich; Fusch, Salzburg und Zeller See in Salzburg; Mariazell und Schladming in der Steiermark; Kitzbühel, Kufstein und Lienz in Tirol; Bodensee in Vorarlberg; Wien; Berchtesgaden, Königssee und andere Orte in Deutschland; Hrodok (Gródek Jagielloński) in Galizien; Venezia (Venedig) in Italien; St. Margrethen in der Schweiz; Brno (Brünn), Jeseník (Freiwaldau), Moravská Třebová (Trübau) und andere Orte in Tschechien u.a.;


Quellentypen: Tagebuch (tagebuchähnliche Aufzeichnungen, Reisetagebuch): 1 Band; Korrespondenz (Familienkorrespondenz, Freundschaftskorrespondenz, Feldpost aus dem 2. Weltkrieg): 33 Schreiben; 56 amtliche Dokumente bzw. Dokumente zur Schul-, Universitäts- und Berufslaufbahn; ca. 400 Fotografien (tw. in 2 Fotoalben und in 1 Leporello); Weiteres: 3 Autogrammkarten, Sammlungen von Spezialbriefmarken, Fahr-, Eintritts- und Visitenkarten, Lotteriescheine;


Zum Bestand: Schreiberin: Gertrud E. (geb. S.); geb. 1925 in Kirchdorf an der Krems, gest. 2017 in Wien

Übergeber: Peter S. (Bekannter von Gertrud Erhard), 2018



Gertrud E. (geb. S.) wuchs im zweiten Wiener Gemeindebezirk auf. Die Eltern Theresia E. (geb. S., geb. 1903) und Kurt E. (1900-1946) heirateten 1928, drei Jahre nach ihrer Geburt. 1935 stellten sie das Ansuchen auf "Scheidung von Tisch und Bett". Als Berufe der Eltern sind in Gertrud E.s Taufschein "Dienstmädchen" und "Privatlehrer" eingetragen. Später finden sich die Angaben "Kaffeeköchin" und "Buchhalter".

Von den Vorfahrinnen und Vorfahren aus Tschechien, Niederösterreich und Wien liegen insgesamt 34 amtlichen Dokumente und Ausweise vor, die 1858 und von 1905 bis 1940 ausgestellt worden sind. Mehrfach sind es Abschriften aus 1938 bis 1940, teilweise auf Tschechisch. Als ihre Berufe ist dabei Stubenmädchen, Koporal, Hausmeisterin, Stallmeister, Zimmermann, Pferdehändler, Küchenchef, Postexpeditor, Amtsdienersgattin, Stabsprofos und Lehrer angegeben. Der Berufsweg von Gertrud E.s Tante Adele L. (geb. H., 1908-1992) als Telefonistin ist u.a. anhand einer Dienstkarte („aufgrund des Hausgehilfengesetztes“), eines Mitgliedsausweises der Versicherungskasse für Industrieangestellte, der Bescheinigung über ihre Kenntnisse im Maschinschreiben und einem Dienstzeugnis aus den 1930er-Jahren belegt.

Gertrud E. selbst besuchte eine Hauptschule für Mädchen, 1943 schloss sie die Wirtschaftsoberschule (Handelsakademie) ab. Bis Mai 1945 war sie beim Telegraphenamt Wien dienstverpflichtet. Ab Herbst 1945 arbeitete sie als Stenotypistin in der Generaldirektion für Post- und Telegraphenverwaltung, wie ein entsprechender Ausweis annehmen lässt, ab 1946 vermutlich auch für die U.S. Army. Im Sommersemester 1945 absolvierte sie mehrere Lehrveranstaltungen an der Hochschule für Welthandel. Ihre Schul-, Universitäts- und Berufslaufbahn ist anhand von 16 Schulzeugnissen, 2 Studienbüchern, 8 Beschäftigungsnachweisen (1943-1977) und 1 Schreiben des Generaldirektors der Post- und Telegrafenverwaltung aus 1955 belegt. 1977 wird sie als "Post- und Fernmeldeinspektorin" ausgewiesen. Weiters sind 4 Ausweise bzw. amtliche Dokumente (1925-1953), 1 „Ahnentafel“ und 1 Sparbuch (1941) von ihr erhalten.

Aus dem Zeitraum von 1940 bis 1949 liegt ein kleinformatiges Notizbuch mit dem Titel "Reisenbuch" vor, in dem Gertrud E. auf 42 vollbeschriebenen Seiten Ausflüge und Ferien innerhalb von Österreich und im "Sudetenland" sowie einen Urlaub in Italien 1949 dokumentiert hat. Die Schilderungen sind dabei knapp und zumeist auf Reisefakten beschränkt: "Fahrt ins Sudetenland. Abfahrt 15. Juli 1942. B Wien Ostbahnhof 14.50 über Lundenburg - Brünn- Böhm. Trübau umgestiegen nach Mähr. Schönberg an 21h übernachtet in Grandhotel." Dazu sind teilweise Fahrkarten, Eintrittskarten, Visitenkarten oder Stempel von Unterkünften oder Berghütten sowie getrocknete Blumen eingeklebt.

An Korrespondenzen sind 33 lose Schreiben erhalten, die zwischen 1938 und 1960 zumeist von Urlaubsorten an verschiedene Mitglieder der Familie E., H. oder L. adressiert worden sind. Zwei frühere Korrespondenzstücke sind eine Einladung aus 1892 sowie ein Brief von der mit einem k. u. k. Hauptmann verheiraten Helena V. aus Hrodok (Gródek Jagielloński) in Galizien betreffend Kunsthandarbeiten aus Gold von 1906.

Einen großen Teil der Hinterlassenschaft von Gertrud E. machen ca. 400 Fotografien aus, die den Zeitraum von 1900 bis in die 1970er Jahre abdecken. Ca. 360 dieser (z.T. colourierten) Bilder sind lose und zeigen v.a. Atelieraufnahmen von Kindern jeden Alters, z.T. bei der Erstkommunion oder bei den Pfadfindern, von Frauen in schönen Gewändern und von Männern z.T. in Uniform. Gruppenaufnahmen zeigen verschiedene Feiern, Paraden, Hochzeitsgesellschaften, Schulklassen u.a. beim Handarbeiten oder Frauen und Männer beim Hausbauen. 13 Reisefotografien wurden von den 1920er- bis 1960er-Jahren u.a. von Sehenswürdigkeiten oder am Strand in Italien und Griechenland aufgenommen, 41 Ausflugs- und Wanderfotografien u.a. nach Wien und zum Großglockner aus dem selben Zeitraum zeigen Personen beim Schifahren, Bergsteigen, Schwimmen oder Langlaufen. Andere bilden Gruppen bei Ausflügen mit Gitarren (um 1920) ab, auf einem undatierten Bild sind drei Frauen mit Kopfhörern und einem Radiogerät in einer ländlichen Umgebung festgehalten worden.

Ein kleiner Teil der Fotografien ist in zwei kleinformatige Fotoalben mit Textileinband eingeordnet. 26 Bilder aus dem Zeitraum von 1938 bis 1941 zeigen Ausflüge u.a. zum Semmering und innerhalb von Wien sowie von einem Weihnachtsfest. Das mit "Schulerinnerungen. Spaziergang über den Ring" betitelte Album enthält 20 nicht datierte Gruppenaufnahmen von Ausflügen, Sehenswürdigkeiten in Wien sowie Unterrichtsszenen. Beiden Alben sind durchgängig beschriftet. Ein (nicht datiertes) Leporello enthält 39 Bilder von einer Wohnungseinrichtung, dem Bücherschrank, Klavier, Radio, Fotoapparat, Kleiderkasten, Sparherd etc. . Ein Bild zeigt Gertrud E. in den 2000er-Jahren.

Des Weiteren wurden 3 Autogrammkarten von Karel Gott und Peter Alexander aus dem späten 20. Jahrhundert aufbewahrt, eine kleine Sammlung von Spezialbriefmarken (1937, 1961 und anlässlich
„100 Jahre Generaldirektion für die Post- und Telegraphenverwaltung“) sowie 2 Lotteriescheine aus 1961.

Anmerkung:
Aus Datenschutzgründen werden in diesem Online-Verzeichnis alle Nachnamen abgekürzt angegeben. Die mit den Übergeber/innen der Bestände jeweils vertraglich vereinbarte Verwendung der Namen ist bei der Recherche vor Ort abzuklären.
Gesamten Bestand von Sammlung Frauennachlässe anzeigen

Standort

Sammlung Frauennachlässe
c/o Institut für Geschichte, Universität Wien

Universitätsring 1
1010 Wien
Telefon: +43 (0)1 4277 408 12
Öffnungszeiten
Die Benutzung der Bestände erfolgt nach vorangegangener Terminvereinbarung und Vorlage des Forschungsvorhabens.
Benutzungszeiten, für die ein Termin vereinbart werden kann, sind Mi & Do 11.00 - 17.00 Uhr bzw. auf Anfrage (per Mail oder telefonisch).
Die erste Sichtung der Quellen erfolgt in den Räumlichkeiten der Sammlung Frauennachlässe. Für die spätere Bearbeitung ist eine Aufstellung der Materialien in der Fachbibliothek für Geschichte möglich.

Ich stimme der Nutzung von Google Maps zu.

Ähnliche Einträge