Archivgut Bestandsübersicht

Bund Deutscher Frauenvereine (BDF)

Nr.: 1 - 368 + unverz.

Weitere Informationen

Einrichtung: Helene-Lange-Archiv | Berlin
Bestell-Signatur: B Rep. 235-01
Sprache: Deutsch
Beschreibung:
B Rep. 235-01 Bund Deutscher Frauenvereine (BDF) 1. VereinsgeschichteDer BDF wurde am 28./29. März 1894 im Lettehaus in Berlin von 34 Frauenvereinen nach amerikanischem Vorbild als Dachverband der bürgerlichen Frauenorganisationen gegründet. Schon zwei Jahre später, 1896, hatte sich die Zahl der Mitgliedsvereine mit 76 fast verdoppelt und sie nahm in den nächsten Jahren weiter kontinuierlich zu, so dass 1907 193 Vereine im BDF zusammengeschlossen waren. Zur Ersten Vorsitzenden wurde Auguste Schmidt aus Leipzig, die Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins (ADF) gewählt, Zweite Vorsitzende wurde Anna Schepeler-Lette, die Leiterin des Lette-Vereins. Weitere Vorstandsmitglieder waren Anna Simson, Hanna Bieber-Böhm, Auguste Förster, Helene von Forster, Ottilie Hoffmann, Helene Lange und Betty Naue. Auf der Generalversammlung von 1896 wurde der Vorstand noch um Jeanette Schwerin und Marie Stritt erweitert. Zu den zentralen Aufgaben und Fragestellungen wie Arbeiterinnenschutz, weibliche Gewerbeinspektion, Reform des Familienrechts, Bildungsfragen u.a. arbeiteten diverse auf der Generalversammlung eingesetzte Kommissionen. Darüberhinaus organisierte der BDF Versammlungen, Kongresse und Ausstellungen und richtete Beratungs- und Hilfsstellen ein. Geprägt war der BDF von Anfang an von den scharfen Gegensätzen zwischen den "Gemäßigten" um Helene Lange und Gertrud Bäumer und den "Radikalen", zu denen u.a. Minna Cauer, Anita Augspurg und Lida Gustava Heymann zählten. Trotz großer Kritik an der Entscheidung des Vorbereitungskomitees für die Gründungsversammlung des BDF, die sozialdemokratischen Frauenvereine nicht einzuladen, traten die Frauen des radikalen Flügels bei und arbeiteten in vielen Kommissionen maßgeblich mit, blieben aber immer in der Minderheit. Nachdem sich Auguste Schmidt 1899 aus Altersgründen von der Vereinsarbeit zurückgezogen hatte, führte Marie Stritt bis 1910 den Vorsitz des BDF. Sie, die in der Frage des § 218 die Minderheitenposition der Streichung vertreten und deshalb den Vorsitz des BDF niedergelegt hatte, war zudem über zwanzig Jahre lang Herausgeberin des 1899 gegründeten "Centralblatts des Bundes Deutscher Frauenvereine", des Mitteilungsblattes des BDF, das ab 1910 unter dem Titel "Die Frauenfrage" erschien. Zur gleichen Zeit war der Satzungsantrag der Radikalen, konfessionell gebundene Organisationen von der Mitgliedschaft auszuschließen, von der Mehrheit abgelehnt worden, so dass der 1899 gegründete Deutsch-Evangelische Frauenbund, der 1904 gegründete Katholische Frauenbund und der ebenfalls 1904 gegründete Jüdische Frauenbund Mitglied im BDF wurden. Gleichzeitig verstärkten sie damit den konservativen Flügel. Von 1910 bis 1919 war Gertrud Bäumer, die mehr als 30 Jahre lang mit Helene Lange eng verbunden war, Vorsitzende des BDF. Seit 1912 erschien das "Jahrbuch des Bundes Deutscher Frauenvereine", das neben inhaltlichen Beiträgen ein Verzeichnis aller dem Bund angeschlossenen Organisationen veröffentlichte und einen Überblick über die Tätigkeit des BDF im jeweils vergangenen Jahr brachte. Die Kluft zwischen radikalen und gemäßigten Frauen im BDF vergrößerte sich im Ersten Weltkrieg, den die Mehrheit mit nationalistischer Euphorie und der schrankenlosen Bereitschaft, alle organisierte Frauenarbeit in den Dienst der Vaterlandsverteidigung zu stellen begrüßte, während die Radikalen, die pazifistisch eingestellt waren, 1915 an der Haager Friedenskonferenz teilnahmen und den "Deutschen Frauenausschuß für dauernden Frieden" gründeten. Nachdem die Forderungen des BDF nach politischer Teilhabe von Frauen nach der Novemberrevolution 1919 mit der Weimarer Reichsverfassung erfüllt worden waren, veränderten sich Programmatik und Organisationsstruktur ebenso wie nach dem Rückzug des radikalen Flügels und der Öffnung nach rechts (u.a. mit dem Beitritt des "Reichsverbandes Deutscher Hausfrauenvereine" und dem "Reichsverband landwirtschaftlicher Frauenvereine") die Mitgliedsstruktur des BDF. Neue Vorsitzende wurde 1919 Marianne Weber, auf die Nominierung von Alice Salomon hatte der Vorstand mit Rücksicht auf die antisemitische Einstellung einiger Mitgliedsverbände verzichtet. 1921 übergab Marianne Weber die Geschäfte des BDF an Emma Ender, die 1924 zu ihrer Nachfolgerin gewählt wurde. Sie wurde 1931 von Agnes von Zahn-Harnack abgelöst. Der Schwerpunkt der Arbeit des BDF lag in der Weimarer Republik in der parlamentarischen Tätigkeit. In Petitionen und Eingaben setzte sich der BDF u.a. für eine Reform des Familienrechts auf der Basis der Gleichberechtigung der Geschlechter sowie für die Zulassung von Frauen zum juristischen Beruf ein und wandte sich gegen die Zwangsentlassung von Beamtinnen bei ihrer Heirat (Zölibatsklausel). Nachdem die Führerin der "Deutschen Frauenfront", Lydia Gottschewski, 1933 den BDF zum Beitritt aufgefordert hatte, beschloss die letzte Vorstandssitzung am 15. Mai 1933 die Auflösung des BDF. Die 1910 gegründete Helene-Lange-Stiftung bot in den nun folgenden Jahren den organisatorischen Rahmen, das Erbe des BDF und seiner Mitgliedsverbände zu verwalten. 2. Bestandsgeschichte Das "Helene-Lange-Archiv", zu dem auch der Bestand B Rep. 235-01 BDF gehört, befindet sich seit 1988 als Depositum im Landesarchiv Berlin. Es ist Eigentum des Berliner Frauenbundes e. V. und gehört zu den bedeutendsten Überlieferungen zur Geschichte der älteren deutschen Frauenbewegung. Von 1969 bis 1988 befand es sich als Leihgabe im Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen in Berlin-Dahlem. In dieser Zeit wurde der größte Teil der Archivalien verzeichnet und verfilmt, 1987 erschien das gedruckte "Findbuch der Archivalien des Helene-Lange-Archivs" im Deutschen Studien-Verlag. Zum Helene-Lange-Archiv gehören eine Druckschriftensammlung (ebenfalls als B Rep. 235-DS mit AUGIAS erschlossen) sowie eine Bibliothek (retrokonvertiert und im Lesesaal des LAB recherchierbar, allerdings ohne den Zeitschriftenkatalog) einschließlich Broschürensammlung mit Spezialliteratur über die Geschichte der Frauenbewegung. Das vorliegende Findbuch entspricht im wesentlichen dem gedruckten Findbuch von 1987 mit einigen behutsamen Korrekturen und wird durch im LAB verzeichnete Nachträge ergänzt. Die dort aufgeführten und im vorliegenden Findbuch unter "Alte Archiv-Signatur" auswiesenen Film-Nummern sind nicht mehr gültig, sie wurden durch vierstellige Mikrofiche-Signaturen ersetzt. Beibehalten wurde die in vielen Archivalien angegebene genaue Verortung der im Enthält- bzw. Darin-Vermerk aufgeführten einzelnen Schriftstücke (Zusätze in Klammern) z.B. bei den Lebensbildern einzelner Persönlichkeiten. Der Bestand enthält 374 Archivalieneinheiten und umfasst u.a. Protokolle der Generalversammlungen, Korrespondenz der Vorstandsmitglieder, Petitionen, Schriftverkehr der Kommissionen, Internationaler Frauenbund, Stiftungen, Publikationen. Zur Benutzung werden nur Mikrofiches vorgelegt, bitte denken Sie bei einer evtl. Vorbereitung Ihres Archivbesuchs an die Reservierung eines entsprechenden Lesegeräts (Reader-Printer). Der Bestand ist wie folgt zu zitieren: B Rep. 235-01 MF-Nr. xxxx. 3. Verweise: LAB B Rep. 235-06 Helene-Lange-Stiftung Archiv der Deutschen Frauenbewegung, Kassel Archiv und Bibliothek des Deutschen Staatsbürgerinnenverbandes, Berlin Louise-Otto-Peters-Gesellschaft, Leipzig 4. Literaturhinweise: Herrad-Ulrike Bussemer, "... ein einzig´ Volk von Schwestern." Zur Geschichte des Bundes Deutscher Frauenvereine. Berlin 1987. Gertrud Bäumer, Die Geschichte des Bundes Deutscher Frauenvereine. In: Jahrbuch des BDF 1921, hrsg. von Elisabeth Altmann-Gottheimer, Leipzig/Berlin 1921, S. 15ff. Gertrud Bäumer, Die Geschichte der Frauenbewegung in Deutschland. In: Handbuch der Frauenbewegung, hrsg. von Helene Lange und Gertrud Bäumer, Bd. 1: Die Geschichte der Frauenbewegung in den Kulturländern. Berlin 1901, S. 130ff. (Die Gründung des Bundes Deutscher Frauenvereine). Angelika Schaser, Helene Lange und Gertrud Bäumer: eine politische Lebensgemeinschaft. Köln, Weimar, Wien, 2. Aufl. 2010. Christiane Schuchard, Mädchenbildung, Frauenstudium, Gleichberechtigung: das Helene-Lange-Archiv im Landesarchiv Berlin und seine Geschichte. In: Mitteilungen und Materialien: Zeitschrift für Museum und Bildung; (2001) 56, S.63-66. Christiane Schuchard, Quellen zur Geschichte der Frauenbewegung im Landesarchiv Berlin: Das Helene-Lange-Archiv. In: Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins; 85 (1989), S.194-200. Berlin, im Mai 2011 Susanne Knoblich
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    Eichborndamm 115-121
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