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Einrichtung: Archiv der deutschen Frauenbewegung | Kassel
In: Sammlung: Sammlung K. v. Soden
Bestell-Signatur: ST-49 ; 2-8
Jahr: 1992
Sprache: Deutsch
Beschreibung:
Kristine von Soden interviewte 1992/93 Frau Herta H. zu deren Bildungs- und Berufsweg. Frau H. besuchte ein Mädchengymnasium in Frankfurt am Main und machte 1927 das Abitur. Obwohl sie Medizin studieren wollte, war ihr Vater nicht bereit, sie finanziell zu unterstützen. Stattdessen schickte er sie nach Lausanne in eine Handelsschule. Weil ihr die missfiel, begann sie bald darauf in Frankfurt ein Romanistik- und Geschichtsstudium, das sie sich durch Aushilfsjobs selbst finanzierte. Sie hatte wenig Geld, deswegen war ihre Garderobe bescheiden und ihre Mahlzeiten auch. Ihr Berufsziel war es, Bibliothekarin zu werden, wofür eine Promotion nötig war. Frau H. promovierte 1934, als die Umstände für jüdische StudentInnen bereits schwierig waren. Sie erinnerte sich, dass jüdische und homosexuelle KommilitonInnen und Dozenten in dieser Zeit aus der Universität verschwanden. Da sie kein Volontariat mehr machen konnte, ging sie als Kindermädchen nach Italien und arbeitete dort auch in einem Institut als Sprachlehrerin. Nach 1938 durfte sie auch in Italien nicht mehr arbeiten und sie ging 1939 nach England, wo sie als Krankenpflegerin arbeitete. Sie fand dann eine Stelle in einer Buchhandlung, Blackwell in Oxford, in der sie von 1941 bis 1947 arbeitete und auch ihren späteren Mann kennenlernte. Vermittelt durch die Journalistin Joe Lederer erhielt ihr Mann eine Stelle als Journalist in Hamburg. 1953 folgte Frau. H. ihrem Mann und arbeitete mit ihm als Übersetzerin. Frau H. erzählte allgemein von ihren Erfahrungen als geflüchtete Frau in Italien und England. Sie erinnerte sich, dass sie es als selbstverständlich empfand, dass in ihrer Generation junge Frauen studierten, es sei die vorherige Generation gewesen, die sich das Recht habe erkämpfen müssen. Ihre Generation habe auch erstmals sexuelle Freiheiten in Anspruch genommen, was für ihre Eltern noch völlig undenkbar gewesen sei. Trotzdem berichtete Frau H. auch, dass vieles immer noch sehr prüde gewesen sei, so habe sie beispielsweise nie gewagt, Lippenstift zu tragen. Einige ihrer Dozenten seien zudem sehr frauenfeindlich gewesen. Zu ihren Dozenten und Bekannten gehörten u. a. Kurt Rheindorf, Ernst Lommatzsch, Hans Cornelius, Heinrich Hasse, Karl Vossler, Max Horkheimer und Claudio Magris.
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Archiv der deutschen Frauenbewegung

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Di - Do 11.00 - 17.00 Uhr
und nach Vereinbarung

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