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Einrichtung: Archiv der deutschen Frauenbewegung | Kassel
In: Nachlass: Weber, Gerda
Bestell-Signatur: NL-P-68
Jahr: 1928 - 2011
Sprache: Deutsch
Beschreibung:

Biographische Daten: Gerda Weber, geb. Röder wurde am 15. September 1923 in Perleberg, Brandenburg geboren und starb am 2. Januar 2021 in Mannheim. Gemeinsam mit ihrem Ehemann, Hermann Weber, betrieb sie Kommunismusforschung und veröffentlichte mehrere Bücher, darunter eine gemeinsame Autobiographie. Weber wuchs in einer sozialdemokratischen Familie auf und war der Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) immer verbunden. Über ihr Leben im Nationalsozialismus ist wenig bekannt. In der Nachkriegszeit lebte sie zunächst in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ). Durch die Vereinigung aller antifaschistischen Parteien in der SBZ, später DDR, wurde Weber zwangsläufig Mitglied der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED). Nach einer Ausbildung zur Neulehrerin (Quereinstieg), wurde ihr 1947 von der Parteispitze aufgetragen, die Parteihochschule zwecks eines Geschichtsstudiums zu besuchen und sich ideologisch ausbilden zu lassen. Dort lernte sie Hermann Weber kennen, der ebenfalls in der Partei aktiv war. Nach Abschluss der Parteihochschule ging das Paar in die Bundesrepublik und die beiden heirateten. 1951 wurde Gerda auf der 1. Westdeutschen Delegiertenkonferenz des westdeutschen Demokratischen Frauenbund Deutschlands (DFD) zur 1. Sekretärin gewählt - schon zwei Jahre später, 1953, legte sie dieses Amt nieder. Bereits zu dieser Zeit haderten die Webers mit der Ideologie der SED - insbesondere die Verherrlichung des Stalinsmuses lehnten sie ab. Dennoch blieben sie der Partei zunächst treu - auch wenn der innerliche Bruch schon längst vollzogen war. 1953 wurden sowohl Gerda als auch Hermann Weber, die beiden lebten mittlerweile in Düsseldorf, verhaftet. Ihnen wurde von den westdeutschen Behörden kommunistische Umtriebe, bzw. Staatsgefährdung vorgeworfen und der DFD als kommunistische Tarnorganisation eingestuft. Gerda Weber saß für mehrere Monate in Untersuchungshaft. Auch in den nächsten Jahren wurde aufgrund ihrer Tätigkeiten immer wieder gegen sie ermittelt. Erst nach Abschluss der strafrechtlichen Verfolgung folgte der offizielle Bruch mit der SED. In der Folge schlug sich Gerda mit verschiedenen Jobs als Verkäuferin durch, während Hermann zu publizieren begann und damit erste Schritte in Richtung akademische Karriere machte. In den 1960er Jahren schrieb Gerda erste Aufsätze und Zeitschriftenartikel über die Situation der Frauen in der DDR. Sie wurde in der politischen Bildung aktiv und führte fortan auch Seminare für Schulklassen durch, die über die Lebensrealitäten in der DDR informierten. Hier sei insbesondere die politische Akademie Lohmar erwähnt, der sie bis zu ihrer Insolvenz verbunden blieb. Zu Beginn der 1970er Jahre wurde Gerda Weber Mitglied in der SPD und übernahm fortan Referentinnenaufgaben für die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen bei der SPD (AsF). Bis ins hohe Alter blieben die beiden der politischen Bildung und Wissenschaft treu, gründeten eine Stiftung, die sich mit der Geschichte des nationalen und internationalen Kommunismus beschäftigt, nahmen an zahlreichen Konferenzen und Tagungen teil und publizierten gemeinsam. Am 2. Januar 2021, im Alter von 97 Jahren, starb Gerda Weber in einem Pflegeheim in Mannheim. Ihr Mann war bereits 2014 verstorben. Sein Nachlass wird bei der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur aufbewahrt - dort ist auch die Gerda-und-Hermann-Weber-Stiftung ansässig.
Bestandsbeschreibung: Der Nachlass von Gerda Weber wurde zwischen 2011 und 2019 von der Nachlassgeberin selbst stückweise dem AddF übergeben. Nach der Bearbeitung weist er einen Umfang von rund 2 RM und eine Laufzeit von 1928 bis 2011 auf. Er setzt sich größtenteils aus Quellenmaterial und Pressesammlungen zu verschiedenen Frauenthemen und Organisationen, insbesondere in der DDR, zusammen. Dazu gehören u. a. Sammlungen zum Demokratischen Frauenbund Deutschlands sowohl in Ost und West, in dem sie selbst eine tragende Rolle innehatte, sein Vorgänger, die Frauenausschüsse, sowie die Westdeutsche Frauenfriedensbewegung (WFFB). Daneben lassen sich in dem Nachlass viele Manuskripte und Publikationen von Gerda Weber finden, die sie zu ebendiesen Themen veröffentlicht hat. Auch ihre Tätigkeit in der politischen Bildung spiegelt sich im Bestand wieder: Korrespondenz zu Seminaren, Seminarunterlagen sowie Primär- und Sekundärliteratur bilden ihre Tätigkeit ab. Lediglich private Unterlagen sucht man in ihrem Nachlass vergebens, einzig zu ihrer Verhaftung und der Strafsache gegen sie sind einige Unterlagen vorhanden. Der Nachlass wurde ursprünglich als Sammlung (SP-30) erschlossen, dieses Jahr in einen Nachlass umgewandelt, umsigniert und die Nachlieferungen erschlossen. Im Rahmen des vom Digitalen Deutschen Frauenarchivs (DDF) geförderten Projektes "Erschließung und Digitalisierung von Sammlungsgut" wurde der Nachlass im Jahr 2024 archivtechnisch bearbeitet und erschlossen. Nutzungsbedingungen: Das Archivgut, das im Archiv der deutschen Frauenbewegung verwahrt wird, kann 30 Jahre nach Schließung der Unterlagen benutzt werden, soweit dem nicht gesetzliche Vorschriften entgegenstehen. Die Sperrfristen können unter bestimmten Bedingungen auf Antrag verkürzt werden. Siehe hierzu: Benutzungsordnung des AddF. Das Bibliotheksgut wurde in die Bibliothek des AddF integriert und ist über die AddF-Datenbank online recherchierbar. Abkürzungen: AsF - Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen bei der SPD BZ - Berliner Zeitung (Zeitung) CDU - Christlich Demokratische Union DFD - Demokratischer Frauenbund Deutschlands DGB - Deutscher Gewerkschaftsbund DVZ - Deutsche Volkszeitung (Zeitung) FAZ - Frankfurter Allgemeine Zeitung (Zeitung) FDGB - Freier Deutscher Gewerkschaftsbund FDJ - Freie Deutsche Jugend FES - Friedrich-Ebert-Stiftung FR - Frankfurter Rundschau (Zeitung) IDFF - Internationale Demokratische Frauenföderation KPD - Kommunistische Partei Deutschlands MM - Mannheimer Morgen (Zeitung) ND - Neues Deutschland (Zeitung) NZ - Neue Zeitung (Zeitung) OGA - Oranienburger Generalanzeiger (Zeitung) RFB - Rotfrontkämpferbund SED - Sozialistische Einheitspartei Deutschlands SPD - Sozialdemokratische Partei Deutschlands UN - United Nations / Vereinte Nationen UZ - Unsere Zeit (Zeitung) WFFB - Westdeutsche Frauenfriedensbewegung
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