Archivgut Nachlass

Angela K. NL 211 I

1826-1995

Weitere Informationen

Einrichtung: Sammlung Frauennachlässe | Wien
Jahr: 1826-1995
Sprache: Deutsch
Beschreibung:

Orte: St. Pölten in Niederösterreich, Mondsee und St. Wolfgang in Oberösterreich, Goldegg, St. Johann im Pongau und St. Veit in Salzburg, Wien; Berlin-Charlottenburg, Heiligendamm an der Ostsee, Mengen, Warnemünde und Wiesbaden in Deutschland; Marseille in Frankreich; Capri in Italien; Abazzia und Krk in Kroatien; Blantyre in Malawi (Britisch Zentralafrika); Poberow (Pobierowo) in Polen; Lillafüred und Szegedin in Ungarn; Portorose in Slowenien; Tunis in Tunesien; Haiti u.a.


Quellentypen: Aufzeichnungen in Buchform: 1 Haushaltsbuch; Korrespondenz (Familienkorrespondenz, Freundschaftskorrespondenz, Feldpost 1. Weltkrieg): 92 Schreiben; ca. 340 amtliche und geschäftliche Dokumente; Dokumente zur Schul- Berufslaufbahn: 14 Schulzeugnisse, 2 Schulhefte, 16 Dienstzeugnisse und Firmenbestätigungen; autobiografische Aufzeichnungen: 1 Album (38 Seiten), Text (1 Seite), 1 Audiokassette; ca. 1.200 Fotografien (tw. in 8 Fotoalben); Weiteres: 2 weitere Dokumente und 1 Blechdose


Zum Bestand: Schreiberin/Empfängerin: Angela K. (geb. S.); geb. 1915 in Wien, gest. 1995 in Goldegg in Salzburg

Übergeberin: Monika K. (Tochter von Angela K.), 2013



Angela K. geb. S. wuchs mit ihrer Schwester Rudi in Wien auf. Sie besuchte ein Mädchen-Realgymnasium und die Handelsakademie, die sie 1934 abschloss. Ihre Eltern, Antonie S. (geb. Topolšek/Topolschek, 1888-1967) und Rudolf S. hatten 1914 geheiratet. Die Mutter war in der Untersteiermark aufgewachsen und als Stubenmädchen nach Wien gekommen, wie ein Schul- und ein Dienstzeugnis im Nachlass belegen. Einzelne weitere Dokumente aus der Familie S. sind ein Fotoalbum, gewidmet „Zum Andenken von Deine Freundin Marie K.“ mit einzelnen Datierungen von 1907 bis 1914, die „Erkennungskarte“ von Rudolf S., „Kohlenhändler“ (1936), und ein Haushaltsbuch mit Einträgen von 1937 bis 1940.

Anfang September 1938 heiratete Angela S. Walter Hermann K. (1903-1945/52) und lebte mit ihm in Berlin-Charlottenburg, ab 1943 in ihrem Ferienhaus in Poberow/Pobierowo in Westpommern an der Ostsee.

Der Vater von Walter Hermann K., Hermann K., war Stuttgarter; als junger Mann hatte er einige Jahre in der Emigration auf Haiti sowie bei Blantyre in Malawi im damaligen British Zentralafrika gelebt, bevor er 1900 in Italien die Deutsche Anna K. (geb. J.) heiratete. Das Paar betrieb in den folgenden Jahren u.a. einen großen Bauernhof bei Mengen in Baden-Württemberg, Handel in Marseille und ein Kino in Wiesbaden. 1903 und 1905 wurden die zwei Söhne geboren. Hermann K. starb 1914, wahrscheinlich an den Folgen einer chronischen Tropenerkrankung. Anna K. zog ihre zwei Söhne alleine groß, sie besuchten das Gymnasium. Walter K. absolvierte ab 1918 eine Landwirtschaftslehre und arbeitete auf verschiedenen Betrieben. 1927 wechselte er in das Verlags- und Werbewesen, 1928 übersiedelte die ganze Familie nach Berlin, wo Walter K. als Geschäftsführer eines Verlages tätig wurde.

Zur Lebensgeschichte von Walter K. liegt ein von seinem Bruder Hans K. zusammengestelltes Erinnerungsalbum mit maschinschriftlichem Text und eingeklebten Fotos und Briefen vor. Der dunkelgrüne Band mit eingeprägter Widmung „Für Monika“ (die Tochter von Angela und Walter K.) enthält auch Fotos von Vater Hermann K. in Afrika, beschreibt die oben genannten biographischen Stationen Walter K.s und endet mit dem letzten Treffen der beiden Brüder zu Silvester 1944. Zu den VorfahrInnen der Familie K. sind außerdem der „Ahnenpaß“ eines Verwandten, Ino K., zugehörige (Abschriften von) Geburts- und Heiratsdokumente(n) 1926-1935 und Korrespondenz darüber vorhanden.

Der Erzählung nach hatten Walter und Angela K. sich über ein Inserat kennen gelernt. Von September 1939 bis Juni 1940 arbeitete sie bei Siemens & Halske in Berlin, ihre beiden Kinder Monika K. (NL 211 II) und Ulrich K. wurden 1940 und 1942 geboren. Walter K. wurde im Herbst 1944 zum Frontdienst eingezogen, seit Februar 1945 gilt er als im Gebiet von Frankfurt an der Oder als vermisst. 1952 wurde er für tot erklärt. Angela K. lebte mit ihren beiden Kindern seit März 1945 mit Flüchtlingsstatus in Bayern, ehe sie im Herbst 1946 nach Wien zurückkehrten, wo sie von 1947 an bis 1972 als Kanzleikraft und später als „Fachkraft“ in der Kammer der gewerblichen Wirtschaft arbeitete. In der Rente lebte Angela K. u.a. in St. Veit und Goldegg im Pongau.

Amtliche und geschäftliche Dokumente im Nachlass von Angela K. umfassen u.a. Geburts-, Heirats- und Staatsbürgerschaftsurkunde; dazu fünf Reisepässe und Ausweise, ausgestellt 1938 bis 1971, sowie einen „Fragebogen der Allierten Kommission Österreich“ von 1947. Hinzu kommen zahlreiche behördliche Dokumente und Korrespondenzen zur Suche nach ihrem vermissten Ehemann Walter K., amtliche Dokumente aus dessen Nachlass von seiner Geburtsurkunde bis zur Todeserklärung 1952, Anträge auf „Witwen- und Waisenrente“ und auf Vormundschaft über die beiden Kinder. Aus späteren Jahren, ab 1971, liegen ca. 160 Schreiben und Dokumente zur Sozial- und Pensionsversicherung für Angela K. vor. 40 Rechnungen dokumentieren auszugsweise Telefonkosten und Medikamentenkäufe für ihre letzten Lebensjahre. Schließlich sind die Parte und die Sterbeurkunde von Angela K. von 1995 und Dokumente zu ihrer Verlassenschaft vorhanden.

Die Schulzeit von Angela K. ist durch 12 Zeugnisse aus den Jahren 1921 bis 1934 und ein „Häckel-Musterbuch“ belegt, ihre Arbeitszeugnisse und -bestätigungen umfassen den Zeitraum von 1937 bis 1972.

Als autobiographisches Dokument ist ein loses Blatt mit einem „Schmerz-Selbstporträt“ Angela K.s vorhanden. Der mit Kugelschreiber gezeichnete Körper ist mit Hinweisen auf schmerzende Stellen und Narben versehen, rückseitig ist eine Liste von Medikamenten eingetragen. Eine Audiokassette, beschriftet mit „K. Angela 11.1.1915 Zi.Nr. 105“, liegt bei.

Die vorliegende Korrespondenz stammt zum Großteil von den Eltern Angela K.s, Antonie und Rudolf S.. 78 Schreiben umfassen vor allem an die beiden gerichtete Post- und Ansichtskarten aus den Jahren 1909-1958, es gibt aber auch einzelne Feldpostkarten von Rudolf S. „Im Felde“ an Antonie S. in Oberschallegg/Untersteiermark (1917). Die Korrespondenz von Angela K. selbst besteht aus einem von ihr an „Onkel“ Rupert Lichtenstöger gerichteten Brief o.D. und 10 Ansichtskarten an ihre Mutter Antonie S. von 1936 bis zu den 1940er Jahren, u.a. aus Warnemünde und Heiligendamm an der Ostsee.

Insgesamt ca. 250 lose aufbewahrte Fotografien sind Aufnahmen der Familien S. und K. aus der Zeit um 1900 bis 1960, darunter Kinderfotos von Angela S. um 1916 und zahlreiche Kinder- und Familienbilder von Monika, Ulrich und Angela K. aus den 1940er und 1950er Jahren. Eine einzelne Aufnahme zeigt ein Lazarett im Ersten Weltkrieg.

Ein Bündel aus Albumblättern enthält Porträts von Angela K., beginnend 1915 und mit kurzen Beschriftungen. Ab 1975 wurde die Zusammenstellung fortgesetzt von ihrer Tochter, die letzte Aufnahme zeigt das Grab von Angela K.. Weitere Alben widmete Angela K. „Meinem lieben Muttilein in Dankbarkeit Gela Muttertag 1939“ und Urlaubsaufnahmen aus den 1950er und 1960er Jahren, in denen sie und ihre Familie Reisen u.a. auf die Inseln Krk und Capri und nach Portorose, Abbazia oder Tunis machten. Lose Albumteile sind ebenfalls vorhanden: Kartonblätter mit Familienbildern, u.a. ab der Geburt von Monika K. 1940. Eine Sammlung von Fotonegativen liegt in einer Pralinenschachtel vor.

Im Nachlass sind außerdem ein Album mit Scherenschnitten, eine „Touristische Karte Jugoslawien“ und eine Blechdose mit der Notfallverpflegung „AMF. EMERGENCY RATION“ enthalten.

Anmerkung:
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