Archivgut Nachlass

Dr.in Johanna M. NL 150

1907 bis 1997

Weitere Informationen

Einrichtung: Sammlung Frauennachlässe | Wien
Jahr: 1907 bis 1997
Sprache: Deutsch
Beschreibung:

Orte: Eisenstadt im Burgenland, Groß Enzersdorf in Niederösterreich, Bad Ischl und Polling in Oberösterreich, Salzburg-Stadt in Salzburg, Graz in der Steiermark, Wien; Bruxelles (Brüssel) in Belgien; Kopenhagen in Dänemark; Baden-Baden, Berlin, Braunschweig, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Gilching, Hamburg, Hochheim, Hürth-Hermühlheim, Köln, München, Nürnberg, Pinneberg und Stuttgart in Deutschland; Divonne les Bains, Nice (Nizza), Paris, Poissy, Straßburg, Valvas Plage und Vésegnin in Frankreich; London in Großbritannien; Omer in Israel; Lëtzebuerg (Luxembourg/Luxemburg) in Luxemburg; Oslo in Norwegen; Basel, Dardagny-Genève, Genf, Sinneringen bei Bern und Zürich in der Schweiz; Sarajevo (Sarajewo) in Serbien u.a.


Quellentypen: Tagebuch (Frauentagebuch): 20 Bände, 8 Konvolute Tagzettel; Aufzeichnungen in Buchform: 3 Notizbücher, 3 Gästebücher; Korrespondenz (berufliche Korrespondenz, Familienkorrespondenz, Freundschaftskorrespondenz, Korrespondenz aus der Emigration): 1.450 Schreiben; ca. 30 amtliche Dokumente; Dokumente zur Schul-, Universitäts- und Berufslaufbahn: 44 Schulzeugnisse und Universitätszeugnisse, Studienbuch, Promotionsurkunde, 14 Dokumente zur diplomatischen Karriere, 2 Bände Arbeitsunterlagen; 1.010 Fotografien; Weiteres: 55 Einladungskarten und Veranstaltungsprogramme, 35 Reiseunterlagen, 155 Blatt Zeitungsausschnitte, 240 Blatt Modezeichnungen


Zum Bestand: Schreiberin/Adressatin: Dr.in Johanna M.; 1907-1997, geb. und gest. in Wien

Übergeberin: Gabriele C. (Freundin von Dr.in Johanna M.), 2010



Dr.in Johanna Theresia Wilhelmine Karl M. war die ältere von zwei Töchtern von Theresia und Dr. Karl M.. Ihre Kindheit verbrachte sie in Sarajevo, wo ihr Vater von 1910 bis 1920 als Bankgouverneur tätig war. Nach der Promotion zur Juristin an der Universität Wien 1932 war Johanna M. in der Generaldirektion der Post- und Telegraphenverwaltung angestellt, nach 1938 teilweise als Postinspektorin und zeitweise als Postarbeiterin. Ab Oktober 1947 war sie im Bundeskanzleramt/Amt für auswärtige Angelegenheiten tätig, von 1952 bis 1957 ständige Vertreterin Österreichs beim Europäischen Büro der Vereinten Nationen in Genf.

1954 legte sie die Diplomatenprüfung ab, ab 1957 war sie „ao. Gesandter und bev. Minister“ in Oslo, ab 1959 hatte sie dort als erste Frau den Posten des „außerordentlichen und bevollmächtigten Botschafters“ von Österreich inne. 1965 bis 1968 war sie „ao.“ und „bev.“ Botschafterin in Brüssel; im Anschluss daran wurde sie ins Bundesministerium für Auswärtige Angelegenheiten in Wien zurückberufen, wo sie 1972 in den Ruhestand versetzt wurde.

Ab dann widmete sich Johanna M. der Kinderbuchforschung. Sie kuratierte 1979 eine Ausstellung europäischer Kinderbücher in der Österreichischen Nationalbibliothek und arbeitete eine Sammlung von Kinderbüchern aus der Bibliothek von Kaiser Franz I. auf.

Der sehr umfangreiche persönliche Nachlass von Johanna M. umfasst insgesamt etwa 3.200 Dokumente, die ihre gesamte Lebenszeit, also neun Jahrzehnte, abdecken. Das früheste Dokument ist eine Porträtaufnahme von „Hansi“ mit 13 Monaten, das früheste erhaltene Schriftstück eine Schulnachricht der „II. Klasse der höheren Töchterschule St. Augustin in Sarajevo“, wo sie von 1911 bis 1919 lebte, aus 1915. Die erhaltene Korrespondenz endet mit März 1997, also zwei Monate vor dem Tod „Eurer Exzellenz“.

Neben dem großen Zeitraum weist der Bestand eine außerordentliche geografische Breite auf. Die Internationalität der Lebensstationen sowie der persönlichen und beruflichen Netzwerke von Johanna M. spiegelt sich in den zahlreichen Orten wieder, an denen die Dokumente verfasst wurden: Es konnten zumindest 40 Schreiborte in Österreich, Deutschland, der Schweiz, in Luxemburg, Großbritannien, Norwegen, Dänemark, Belgien, Frankreich, Bosnien und Israel identifiziert werden. Johanna M. hat ihren Nachlass teilweise selbst sortiert und in thematisch organisierten Mappen geordnet. Präzisiert wurden die Ordnungen der Dokumente von Dr.in Edith S.-F., der Biografin Johanna M.s, sowie von Gabriele C., die den Bestand sicherte und 2010 an die Sammlung Frauennachlässe übergab.

Im Nachlass finden sich neben amtlichen Dokumenten wie Geburts-, Tauf- und Heimatschein eine Reihe von Schulzeugnissen, die Abschrift des Reifezeugnisses vom Juni 1927 und Prüfungszeugnisse aus dem Studium von 1927 bis 1932. Einzelne Dokumente zu beruflichen Karrierestufen und zu Titelverleihungen sind ebenfalls erhalten.

Die Tagebuchaufzeichnungen von Johanna M. umfassen 20 Bände an Notizbüchern und Heften von März 1926 bis Februar 1976 sowie Eintragungen auf Tagzetteln von Februar 1989 bis Mai 1997. (Die Tagebücher sind aktuell für die Benützung gesperrt.) In drei erhaltenen Notizbüchern sind Aphorismen, Zitate und Anmerkungen zu lesen.

Drei Gästebücher dokumentieren zahlreiche Veranstaltungen, Besuche und Treffen von 1953 bis 1965, in der Johanna M. in Genf und Oslo diplomatisch tätig war. Das erste der Gästebücher wurde offenbar bereits von ihren Eltern geführt, es enthält Einträge aus Sarajevo (Sarajewo) ab Jänner 1916.

Die umfangreichen Korrespondenzen von Johanna M. liegen für den Zeitraum von Juni 1949 bis März 1997 vor, die Benützung ist eingeschränkt möglich. Die chronologisch sortierten Schreiben sind sowohl berufliche als auch private Korrespondenzen bzw. Mischformen davon, wobei die berufliche Korrespondenz, die sich in die Themenkomplexe Tätigkeiten im diplomatischen Dienst und als Botschafterin (bis 1968) sowie Kinderbuchforschung (ab 1977) gliedert, überwiegt, Die Korrespondenzen aus Johanna M.s Zeit als Diplomatin liegen im Großteil als Durchschläge oder Kopien vor – vorwiegend ist nur die von ihr verfasste Seite vorhanden.

Aus der Zeit als Kinderbuchforscherin sind zumeist beide Seiten der Korrespondenz erhalten. Von März 1968 bis September 1969 sind keine Schreiben erhalten, von 1969 bis 1976 liegen nur wenige Dokumente vor. Teile der Korrespondenz zwischen Johanna M. und Emma W., ihrer Mitarbeiterin in Genf, wurden in einer eigenen Mappe gesammelt, einige kleinere Korrespondenzen (teilweise in Kopie) sind ebenfalls extra sortiert. Der Großteil der Korrespondenz sind maschinschriftliche, oft mehrseitige Briefe; handschriftliche Briefe, Post- und Ansichtskarten liegen nur vereinzelt vor. Die etwa 130 Beilagen sind Notizzettel, maschinschriftliche Listen und (Ausschnitte von) Zeitungen. Von den KorrespondenzpartnerInnen von Johanna M. sind etwa 190 Personen namentlich zuordenbar, darunter finden sich zahlreiche Regierungsmitglieder und Diplomaten, KinderbuchforscherInnen sowie MitarbeiterInnen von Verlagshäusern, Bibliotheken und Antiquariaten in mehreren europäischen Staaten. Mit einigen Kolleginnen und Kollegen korrespondierte Johanna M. auch privat; daneben sind aus den Jahren, in denen sie im Ausland tätig war, zahlreiche Schreiben von und an ihre Mutter, ihre Schwester, ihren Neffen und zahlreichen Freundinnen erhalten.

Der vorliegende Bestand an Fotografien reicht von Kindheits- und Jugendbildern über Porträts und Schnappschüsse von Johanna M. in Abendroben, vor Bücherwänden und im Urlaub bis hin zu Aufnahmen bei offiziellen Terminen, Kongressen und Empfängen oder bei Festen aus späteren Jahren. Fotografien mit Kolleginnen, Kollegen, Freundinnen, Freunden und ihrem Dienstpersonal sind ebenfalls vorhanden wie die Dokumentationen ihres persönlichen Interesses an Automobilen, Katzen, Porzellan und Interieurs sowie am Anfertigen von Hüten.

Der Nachlass enthält weiters zwei Bände an Arbeitsunterlagen aus der Zeit als Postbeamtin, einige Reiseprospekte und Postkarten aus Frankreich und Italien sowie mehrere Sammlungen von Zeitungsausschnitten über Johanna M.s Karriere, über die Kinderbuchausstellung 1979 sowie über Modetrends.

Die erhaltenen Modezeichnungen von Johanna M. reichen von in ihrer Kindheit gezeichneten Figuren und Blumen bis zu detailreichen Bleistiftzeichnungen von Damenkleidung.



Der wissenschaftliche Nachlass von Johanna M. ist Teil der Bestände der Österreichischen Gesellschaft zur Erforschung der Kinder- und Jugendbuchliteratur am Institut für Germanistik an der Universität Wien.

Anmerkung:
Aus Datenschutzgründen werden in diesem Online-Verzeichnis alle Nachnamen abgekürzt angegeben. Die mit den Übergeber/innen der Bestände jeweils vertraglich vereinbarte Verwendung der Namen ist bei der Recherche vor Ort abzuklären.
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Standort

Sammlung Frauennachlässe
c/o Institut für Geschichte, Universität Wien

Universitätsring 1
1010 Wien
Telefon: +43 (0)1 4277 408 12
Öffnungszeiten
Die Benutzung der Bestände erfolgt nach vorangegangener Terminvereinbarung und Vorlage des Forschungsvorhabens.
Benutzungszeiten, für die ein Termin vereinbart werden kann, sind Mi & Do 11.00 - 17.00 Uhr bzw. auf Anfrage (per Mail oder telefonisch).
Die erste Sichtung der Quellen erfolgt in den Räumlichkeiten der Sammlung Frauennachlässe. Für die spätere Bearbeitung ist eine Aufstellung der Materialien in der Fachbibliothek für Geschichte möglich.

Ich stimme der Nutzung von Google Maps zu.

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