Archivgut Nachlass

Mathilde H. NL 1

Mai 1863 bis April 1892, Jänner 1899 bis Oktober 1970

Weitere Informationen

Einrichtung: Sammlung Frauennachlässe | Wien
Jahr: Mai 1863 bis April 1892, Jänner 1899 bis Oktober 1970
Beschreibung:

Orte: Wien; Gentofte, Jytland, Kopenhagen und Söborg in Dänemark; Sibiu (Hermannstadt) in Rumänien; Franzensfeste (Fortezza), Riva del Garda in Italien und weitere verschiedene Orte an der italienischen Front/Kriegsschauplätze im 1. Weltkrieg u.a.


Quellentypen: Tagebücher (Mädchentagebücher, Frauentagebücher, 1 Brieftagebuch, 1 Männertagebuch): 9 Bände; Aufzeichnungen in Buchform: 39 Taschenkalender, 1 Poesiealbum, Konzepthefte mit politischem Inhalt; Korrespondenz (Paarkorrespondenz, Feldpost aus dem 1. Weltkrieg, Familienkorrespondenz, Freundinnenkorrespondenz, Korrespondenz politischen Inhalts): ca. 3.500 Schreiben; ca. 200 amtliche Dokumente; Dokumente zur Schul-, Universitäts- und Berufslaufbahn: 106 (Schul)Zeugnisse, 3 Schulhefte; autobiografische Aufzeichnungen: Texte, 11 Kassetten mit Interviews mit Mathilde H.; ca. 2.500 Fotografien; Weiteres: Zeichnungen, Schatullen, verschiedene Broschüren u.a.


Zum Bestand: Schreiberin/Adressatin: Mathilde H. (geb. H.); geb. 1884 in Oberhollabrunn in Niederösterreich, gest. 1970 in Wien

Schreiber/Adressat: Ottokar H.; 1879-1959, geb. und gest. in Wien

Übergeber/innen: Friedrich P. (Schwiegersohn von Mathilde H.) und Gunvor S. (Enkelin von Mathilde H.), 1997-2007



Mathilde (genannt Tilly) H. (geb. H.) wurde 1884 als mittlere der fünf Töchter von Agnes H. (geb. von C., 1845-1913) und Gustav H. (1848-1907) in Oberhollabrunn in Niederösterreich geboren. Agnes H. hatte vor ihrer Verheiratung als Gouvernante und Privatlehrerin gearbeitet und unterrichtete ihre fünf Töchter im Grundschulalter selbst. Gustav H. arbeitete wochentags als Gymnasiallehrer in Wien. 1895 übersiedelte die Familie nach Wien. Tilly H. besuchte hier erst ein privates Mädchen-Lyzeum, ab 1899 dann die k.k. Lehrerinnenbildungsanstalt in der Hegelgasse in der Wiener Innenstadt. Ab 1903 war sie als Volksschullehrerin tätig. Im Selbststudium bereitete sie sich daneben auf die Matura vor, die sie 1906 ablegte. In den folgenden Jahren bemühte sie sich um Zulassung zum Studium an der Technischen Hochschule in Wien, was ihr 1909 als erster Frau in Österreich auch gelang. Dass sie ihr erkämpftes Recht in den folgenden Jahren nicht umsetzen konnte, hatte (vermutlich) finanzielle Gründe. Zur selben Zeit war Mathilde H. im Allgemeinen Österreichischen Frauenverein (AÖFV) aktiv, wo sie von 1910 und 1914 die Position der Vizepräsidentin inne hatte.

1910 heiratete sie den Gymnasiallehrer Ottokar H., 1911 und 1914 kamen ihre beiden Töchter Ruthilt und Dietgart zur Welt. Ottokar H. war im Ersten Weltkrieg als Oberleutnant an der italienischen Front eingerückt. Mit Kriegsausbruch begann Mathilde H. ihre Aktivitäten für die Friedensbewegung, die sie bis ins hohe Alter verfolgte, Ottokar H. war in der Gewerkschaft aktiv. 1926 wurde Mathilde H. zur Bürgerschuldirektorin ernannt, 1934 wurde sie im Rahmen des so genannten „Doppelverdienergesetzes“ vorzeitig pensioniert.

Der schriftliche Nachlass von Mathilde H. ist äußerst umfangreich und beinhaltet auch Dokumente von mehreren Familienangehörigen. Von ihrer Mutter Agnes H. liegen ein Zeugnis der Schule der „Englischen Fräulein“ aus 1867, ein Album mit Glückwunschkarten aus den 1880er-Jahren sowie 10 Korrespondenzstücke vor. Von ihrem Vater Gustav H. sind ein Tagebuch mit Einträgen von Jänner 1885 bis April 1892 sowie ebenfalls einzelne Korrespondenzstücke vorhanden. Die gemeinsamen Korrespondenzen von Mathilde H. und ihren vier Schwestern beinhalten u.a. 30 Schreiben ihres Bekannten Ferdinand Z. aus 1906 bis 1910. Weiters sind ca. 50 amtliche und geschäftliche Dokumente von Mathilde H.s Familienangehörigen vorhanden.

Aus dem Nachlass von Mathilde H. selbst liegen 8 Tagebücher von Jänner 1899 bis Juni 1954 vor. Eines davon hat sie von Dezember 1905 und Juli 1908 als Brieftagebuch gemeinsam mit ihrem Verlobten Ottokar H. geführt. Aus 1918 bis 1964 sind 4 ihrer Taschenkalender erhalten. Von Ottokar H. liegen insgesamt 35 Taschenkalender aus 1907 bis 1958 vor. Mathilde H.s Schulzeit ist durch zahlreiche Schulzeugnisse, Schulhefte und Zeichnungen sowie einem Poesiealbum mit Einträgen von Juni 1899 bis Juli 1903 dokumentiert, ihr rechtlicher Kampf um die Zulassung zu einem Hochschulstudium und ihr Berufsweg durch insgesamt 124 verschiedene Schriftstücken.

Mathilde H.s politische Arbeit im AÖFV ist anhand von verschiedenen Konzeptheften belegt, von der Vereinskorrespondenz sind allerdings nur ca. 30 Gratulationsschreiben zur Verheiratung mit Ottokar H. 1910 erhalten. Ihre friedenspolitischen Arbeiten innerhalb der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit (IFFF) sind anhand einer Vielzahl von Schriftstücken aus der Zeit seit den 1930er-Jahren dokumentiert. Neben Korrespondenzen im Umfang von mehreren hundert Briefen von ca. 1930 bis 1972 sind das Arbeitspapiere, Mitschriften, Zeitungsausschnitte und zum Teil von Mathilde H. verfasste Druckschriften zu den Themen Friedenserziehung, Mädchenerziehung und zur Anti-Alkohol-Bewegung.

Die mehrere tausend Schriftstücke umfassenden privaten Korrespondenzen von Mathilde H. beinhalten Freundinnenkorrespondenzen wie z.B. den über 9 Jahre geführten Briefwechsel mit der ehemaligen Schulkollegin Mathilde H. (geb. M.) (218 Schreiben). Den größten Teil des Briefbestandes machen aber Familienkorrespondenzen aus, die sich wiederum zum Großteil aus Korrespondenzen mit dem Ehemann Ottokar H. zusammensetzt: Die Feldpostkorrespondenz von August 1914 bis Juni 1918 umfasst mehr als 2.000 Schreiben, die Mathilde H. und Ottokar H. beinahe täglich aneinander gerichtet haben. (Ein kleiner

Teil dieser Schreiben ist in stenografischer Schrift verfasst.) Aus 1920 bis 1947 sind weitere, teilweise umfangreiche Briefwechsel des Ehepaares H. vorhanden, zumeist wurden die Schreiben während Kur- oder Urlaubsaufenthalten verfasst.

Ebenfalls mehr als zweitausend Schreiben umfasst die von Mathilde H. von Jänner 1926 bis Jänner 1969 geführte Korrespondenz mit der in Dänemark lebenden Tochter Ruthilt L. (geb. H., 1911-1993) (verzeichnet unter NL 2 I). Die Korrespondenz mit Ruthilt L. wurde von Mathilde H. zum Teil gemeinsam mit ihrer jüngeren Tochter Dietgart P. (geb. H., 1911-1982) geführt und verwaltet.

Von den Korrespondenzen mit Mathilde H.s Schwestern sind hauptsächlich Briefe von Maria (genannt Mimi) J. (geb. H., 1885-1970) von November 1927 bis November 1966 vorhanden. Mimi J. war als Sängerin am Kurtheater in Bad Ischl engagiert, bevor sie 1918 mit ihrem Ehemann nach Sibiu (Hermannstadt) in Rumänien übersiedelte. Die Korrespondenz mit ihr hat Mathilde H. teilweise gemeinsam mit ihren in Wien lebenden Schwestern, der Postbeamtin Berta H. (1880-1946), der Kunstmalerin Olga H. (1821-1967) und der Beamtengattin Carola (genannt Alla) T. (geb. H., 1885-1976) geführt und verwaltet.

Die ca. 2.500 Fotografien wurden zwischen den 1880er- und 1960er-Jahren aufgenommen. Den Großteil davon machen Porträts und Aufnahmen von Familienangehörigen sowie Fotografien aus dem Ersten Weltkrieg aus, die Ottokar H. während seiner Fronteinsätze in Italien gemacht hat bzw. die ihn als Soldat zeigen.

An autobiografischen Aufzeichnungen sind mehrere verschiedene von Mathilde H. verfasste Lebensübersichten sowie die von einigen ehemaligen Schulkolleginnen zusammengestellten Erinnerungen „Vor 50 Jahren war Matura“ und 11 Kassetten mit Interviews vorhanden.

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